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"Zeit und Akkordlöhne
haben längst ausgedient"
Wochenblatt: Warum haben die alten Entlohnungs-Systeme ihrer Meinung nach ausgedient? Walter
Meissner: Der Zeitlohn ohne jeglichen Leistungsanreiz, aber
auch der reine Akkordlohn mit seiner Stückzahlorientierung haben längst
ausgedient und gehören in erfolgreichen Unternehmen der Vergangenheit
an. Die Entgeldpolitik der Zukunft muss den individuellen Leistungsbeitrag
und den
Wochenblatt: Was heißt das konkret? Meissner: Die Personalkosten stellen in fast jedem Unternehmen mit einem Anteil von bis zu 80 Prozent den größten Kostenfaktor dar. Eine Verschlankung durch Abbau von Personalressourcen allein bringt meist nur kurzfristigen Erfolg und kann mittel- bzw. langfristig auch negative Auswirkungen auf die betriebliche Leistungsfähigkeit haben. Trotzdem wird in vielen mittelständischen Betrieben nach wie vor zu pauschal und zu wenig erfolgs- und leistungsorientiert entlohnt. Quantitative und qualitative Einflussgrößen hinsichtlich der individuellen Mitarbeiter, aber auch team- oder Gruppenleistung finden kaum die erforderliche Beachtung. Wochenblatt: Das Thema ist ja nun nicht neu, warum wird inIhrem Arbeitskreis gerade jetzt darüber diskutiert? Meissner: Das Thema ist insofern aktuell, da die Unternehmen immer mehr in Erklärungsnotstand gegenüber den Mitarbeitern geraten. Qualifizierte und leistungsorientirte Arbeitnehmer wollen am Erfolg immer mehr mitpartizipieren. Lohn- und Gehaltsentscheidungen beruhen bisher meist auf “Bauch- oder emotionalen Entscheidungen, die wenig nachvollziehbar sind. Hinzu kommt, dass hierbei die “Schreier und Drängler gegenüber den ruhigeren und oft leistungsorientierteren Kollegen meist im Vorteil sind. Wochenblatt: Welche Folgen ergeben sich aus diesen Beobachtungen Ihrer Meinung nach? Meissner: Die Folgen sind Unzufriedenheit, abnehmende und mangelnde Leistungsbereitschaft, bis hin zur ,inneren Kündigung" und konkreten Abwanderungsgedanken. Leider wird dies oft zu spät, das heißt erst bei der Vorlage der Kündigung erkannt. Mit der Konsequenz, dass vor allem die Leistungsträger und Aktivposten das Unternehmen verlassen. Darüber hinaus werden bei fehlender Lohn- oder Gehaltsdifferenzierung anstehende Tarif- oder sonstige Lohnerhöhungen nicht auf den Grundlohn, sondern auf den Gesamtlohn gezahlt. Das führt zwangsläufig zu einer ungewollten und ungerechtfertigten Erhöhung der Lohnkosten. Wochenblatt: Wo sehen Sie Lösungsansätze, um die Unzufriedenheit der Mitarbeiter zu verhindern? Meissner: Die Chancen zur Erneuerung eines gesamthaften und durchgängigen Entgeldsystems mit größtmöglicher Flexibilisierung, aber unter Abstimmung auf die betrieblichen Anforderungen und Gegebenheiten werden noch viel zu wenig genutzt. Zu beachten sind hierbei auch das verstärkte Einbeziehen sowohl von individuellen als auch teamorientierten sowie gesamthaften, variablen, erfolgs- und leistungsabhängigen Entgeldanteilen. Zum anderen muss das neue Entlohnungssystem in sich schlüssig, nachvollziehbar, glaubwürdig und durchgängig sein. Wichtig ist dabei aber auch, dass Unternehmensbereiche nicht ausgespart werden und sich das neue Entlohnungssystem nicht nur auf die produktiven Leistungsbereiche, wie Fertigung, Werkstatt, Montage usw. beziehen darf, sondern auch auf die unproduktiven und Verwaltungsbereiche. Wochenblatt: Wie soll das funktionieren? Meissner: Hierfür müssen nur andere Leistungs- und Erfolgskomponenten sowie dafür geeignete Mess- und Bezugsgrößen gefunden werden. Ein anderer Faktor ist, dass die Messgrößen und Leistungskomponenten beeinflussbar sein müssen und dass nicht zu viele Größen in die Entlohnung einfließen. Wochenblatt: Glauben Sie nicht, dass ein Unternehmen Probleme hätte, auf dieses neue System umzustellen? Wo ist dies in unserer Region überhaupt möglich? Meissner:
Ein neues System sollte nicht sofort im gesamten Unternehmen eingeführt
werden, sondern pilothaft zuerst in solchen Bereichen mit hoher Akzeptanz
und möglichst großen Erfolgsaussichten, was die unternehmensweite
Einführung dann erheblich erleichtert. Auch sollte man zu Beginn nicht
eine
Wochenblatt: Was sagen denn die Gewerkschaften zu Ihren Ideen? Meissner: Meine Erfarung ist, dass sie mittlerweile nicht mehr dagegen sind. Sie wollen eigentlich auch, dass Leistung honoriert wird. Wichtig ist, dass in den Betrieben mit Tarifvertrag ein Vertrauensmann da ist, der in den Prozess mit eingebunden wird. Das Verständnis der Tarifpartner ist voll da, weil mittlerweile auch Druck aus der Ecke der Leistungsorientierten kommt. Und heute ist es ein weitaus größeres Problem für die Unternehmen, diese leistungsorientierten Mitarbeiter enger an sich zu binden. |
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