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Interview zum Qualitätsmanagement
„Gerade für kleinere Betriebe wichtig“
 
domo:Herr Meissner, Sie haben vorwiegend kleinere und mittlere Hersteller und Handwerker nach DIN ISO 9000 ff. zertifiziert. Fällt mittelständischen Betrieben Qualitätsmanagement schwerer als großen Unternehmen?

Meissner: Großunternehmen sind einem stärkeren Wettbewerbsdruck ausgesetzt und haben die planerischen Kompetenzen, sich aus Sackgassen selbst herauszumanövrieren. Viele kleinere Betriebe werden während der Zertifizierung nach DIN ISO 9000 ff. erstmals mit den Anforderungen eines umfassenden Qualitätsmanagements konfrontiert und tun sich entsprechend schwer. Aber gerade für sie ist QM wichtig: Denn mittelständische Unternehmen mit hochqualifizierten Nischenprodukten sind besonders gefährdet, in festen Strukturen zu erstarren.


Walter Meissner, ibb Unternehmensberater, Qualitätsberater der FQM............................ "Die Zertifizierung verbessert die Kundenorientierung, Zuverlässigkeit und Transparenz eines jeden Betriebes."

domo: Öffentliche Hand und Industrie vergeben Aufträge oft nur noch an zertifizierte Unternehmen. Ist DIN ISO 9000 ff. auch für Handwerksbetriebe interessant, die überwiegend oder ausschliesslich für Privatkunden arbeiten?

Meissner: DIN ISO 9000 ff. verbessert die Kundenorientierung , Qualität und Zuverlässigkeit eines jeden Betriebs. Das sind Eigenschaften, von denen auch Privatkunden profitieren. Außerdem steigert QM die betriebliche Organisation und Transparenz. Und das wird über den Kundendienst auch nach außen sichtbar .

domo: Wieviel Aufwand – Kosten und Zeit - muß ein Betrieb für die Zertifizierung einkalkulieren?

Meissner: Der Aufwand hängt von der bisherigen Betriebsführung und -organisation ab. Nur Betriebe, die schlecht organisiert sind, müssen alles umkrempeln. Die Dokumentation muß der Größe des Betriebes angemessen sein und kann auch knapp gehalten werden. Wichtig ist, dass die Arbeit bei der 
QM-Einführung auf mehrere Schultern verteilt wird. Die Kosten entstehen vor allem durch Fremdleistungen. Je höher, der Eigenanteil des Betriebs am QM, desto niedriger die Ausgaben. Bei kleineren Betrieben liegt die Eigenleistung bei rund 40 bis 50 und die Fremdleistung bei zehn Manntagen.

domo: Immer kritisieren bereits zertifizierte Betriebe, dass Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen ... 

Meissner: ... was aber nur auf solche Betriebe zutrifft, die lediglich am Zertifikat interessiert sind und nicht die Chance zur betrieblichen Erneuerung sehen. Hier gibt es für das Handwerk viele Ansätze für Verbesserungen: bessere Kalkulationsgrundlagen, effektivere Abläufe, wirtschaftliche Lagerhaltung, zeitnahe Abrechnung von Leistungen. 

domo: Soll der Handwerksunternehmer das QM selbst in Angriff nehmen oder an einen leitenden Mitarbeiter delegieren?

Meissner: Ich rate zur Ernennung eines betriebsinternen Koordinators, der auch Ansprechpartner für den Qualitätsberater ist. Aber der Chef muß voll hinter dem ganzen QM stehen. Er soll nicht versuchen, alles im Alleingang zu machen, sondern von Beginn an die ganze Mannschaft mit einbeziehen. Denn die Mitarbeiter kennen viele Abläufe besser.Unternehmer, die das nicht beachten, werden immer Akzeptanzprobleme haben – von der eigenen Arbeitsüberlastung einmal abgesehen.

domo:Meister und andere leitende Mitarbeiter gelten als Problemgruppe,weil sie mit der wachsenden Qualifikation der Beschäftigten ihre eigene Position gefährdet sehen. Wie kann der Handwerksunter- nehmer solche Konflikte vermeiden?

Meissner: Man muß der Meister und Vorarbeiter von Anfang an einbeziehen. Man muß ihnen glaubhaft erklären, dass auch ihre Arbeit und Ihr Erfolg auf dem Spiel stehe und dass auch sie Vorteile von einer besseren Organisation haben. Dann werden sie beim QM mitziehen. Hier kommt es auf den Unternehmer selbst an: Wenn er seine Konzepte mit den Mitarbeitern abstimmt und sie zu Verbesserungen ermuntert, kann er Widerstände vermeiden .

domo: Wie lässt sich die Zertifizierung vermarkten?

Meissner: In Firmenanzeigen und Briefbögen kann der Unternehmer auf das Zertifikat hinweisen. Er kann wichtigen Geschäftspartnern das QM- Handbuch als „Visitenkarte“ überreichen, und wichtigen Angeboten sollte er den Unterlagen eine Kopie des Zertifikats beifügen.

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